Tagung „Flüchtlingskinder und -jugendliche gehen in die Schule“ gut besucht

12.10.15

Foto: Podium "Schulalltag mit Flüchtlingskindern"

„Kinder, die nun in unsere Schulen gehen, als Opfer, als Flüchtlinge, als Überlebende, brauchen unseren Schutz und unsere Zuwendung. Sie wollen lernen und haben nicht nur ein Recht auf Asyl. Sie haben auch ein Recht auf Bildung. Und so haben wir diese Tagung vorbereitet“, eröffnete Udo Klinger, stellvertretender Direktor des Pädagogischen Landesinstituts, am 6. Oktober die Tagung „Flüchtlingskinder und -jugendliche gehen zur Schule“, die die Fridtjof-Nansen-Akademie als Kooperationspartner unterstützte. Knapp 300 rheinland-pfälzische Lehrkräfte nahmen an der Veranstaltung im WBZ teil. Den großen Bedarf an Information und Unterstützung für den Umgang mit Flüchtlingen in der Schule zeigten nicht nur die hohen Teilnehmerzahlen, sondern auch viele Rückmeldungen und die sehr aktive Mitgestaltung der Veranstaltung durch bereits erfahrene Schulen.

„Unabhängig davon, was zur Zeit an den Grenzen geschieht, welche Entscheidungen die EU trifft oder wie die Verteilung von Flüchtlingen auf die Bundesländer und in die Regionen und Gemeinden erfolgt, hier und heute steht Ihre Situation im Fokus: Es klopft – und Flüchtlingskinder stehen an der Pforte Ihrer Schule. Natürlich öffnen Sie – es sind in erster Linie Kinder!“, beschrieb Udo Klinger die aktuelle Situation. Die Tagung solle in eben dieser Situation Möglichkeiten der Begleitung, Beratung und Unterstützung aufzeigen, aber auch die Bedarfe der Schulen und der Lehrkräfte spezifizieren und so die Weichen für eine weitere gezielte Unterstützung stellen. Neben der Frage, ob und wenn ja, wie Schüler ohne oder mit wenigen Sprachkenntnissen in den Regelunterricht integriert werden können, treibt viele Lehrkräfte etwa auch die Frage um, wie man im Schulalltag Kindern mit traumatischen Erfahrungen gerecht werden kann. Gerade auch die auf der Veranstaltung vertretenen Aktiven aus der praktischen Arbeit mit Flüchtlingen bekräftigten vor ihrem Erfahrungshintergrund die Lehrerinnen und Lehrer darin, ihre Rolle als Lehrende im Auge zu behalten und sich für alle angrenzenden Themenbereiche Unterstützung, z.B. in Form eines multiprofessionellen Netzwerks vor Ort zu suchen. Insbesondere auf traumatisierte Kinder und Jugendliche wirke zudem die bloße Tatsache, dass ein Schulalltag geregelte und verlässliche Strukturen biete, stabilisierend. Marika Schwaiger von der Universität Hamburg machte in ihrem Einstiegsvortrag zur Veranstaltung zudem deutlich, dass keineswegs alle Kinder mit Fluchterfahrungen zwangsläufig auch mit Traumata zu kämpfen haben. Viele brächten vielmehr auch auf der Flucht erworbene Ressourcen und Kompetenzen in Form eines „Habitus der Überlebenskunst“ mit, der sie für weitere Herausforderungen rüste.

Zwischen den zwei Podien des Vor- und Nachmittags konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen „Marktplatz“ besuchen, der dicht mit Informationsständen bestückt war. Viele Schulen, Netzwerkpartner und das Pädagogische Landesinstitut informierten hier über ihre Arbeit und standen für Gespräche bereit. Die Möglichkeiten zum Austausch untereinander, mit den Ausstellern und Diskussionsteilnehmern wurden sehr aktiv genutzt.