„Jeder Geflüchtete braucht einen Freund“

08.06.16

Mit diesem Appell schloss eine Zuhörerin aus dem Publikum am vergangenen Donnerstagabend die Fragerunde bei der zweiten Binger Veranstaltung aus der Reihe „Fluchtursachen kompakt“.

Vier Somalier hatten an diesem Abend den etwa 70 Gästen in der Binger Bühne die Gründe und Umstände ihrer Flucht nach Deutschland geschildert und einen Einblick in ihre aktuelle Lebenssituation in Bingen gegeben. Vier ganz unterschiedliche Geschichten, die in ihrer Gesamtheit den vorhergehenden Vortrag über Somalia von Dr. Florian Pfeil aus der Ingelheimer Fridtjof-Nansen-Akademie für politische Bildung ergänzen sollten – und ergänzt haben. Von einem Land, das sich seit 1991 im Bürgerkrieg befindet, hatte Pfeil zuvor berichtet, von islamistischen Milizen, die das Land mit Terror bedrohen, von leergefischten Meeren (auch durch europäische Firmen!), die den Menschen die Existenzgrundlage rauben und von verschiedenen Clans, die in Somalia das Sagen haben. Die Geflüchteten ergänzten das Geschilderte um ihre persönliche Perspektive, um ihre Gründe, ihre Heimat zu verlassen: mal geplant, mal Hals über Kopf, in den meisten Fällen aber mittels der gefährlichen Flucht über das Mittelmeer zu einem Zeitpunkt, an dem die jungen Männer schon viel Schlimmes erlebt hatten. „Wir sind der Ansicht, dass nur über Bleibeperspektiven sprechen kann, wer Fluchtursachen kennt und verstanden hat. Dazu wollen wir mit der Reihe „Fluchtursachen kompakt“ einen Beitrag leisten“, sagt Dr. Florian Pfeil, dessen Akademie die Reihe in Ingelheim gemeinsam mit dem Migrations- und Integrationsbüro der Stadt konzipiert hat. Nach sechs Veranstaltungen in Ingelheim fanden inzwischen weitere Termine in Mainz-Gonsenheim und nun auch in Bingen statt. Als Kooperationspartner waren die VHS Bingen, das Kulturzentrum Villa Sachsen, die Binger Bühne und die Frauengruppe International an Bord, die Kulinarisches beisteuerte für den informellen Teil des Abends, bei dem alle Teilnehmenden der Veranstaltung noch miteinander ins Gespräch kommen konnten.
Ein weiterer Abend der Reihe wird sich mit dem Land Afghanistan und den Fluchtursachen der Menschen, die von dort auch nach Bingen kommen und gekommen sind, beschäftigen: am Donnerstag, 16. Juni, um 19 Uhr, ebenfalls in der Binger Bühne. Der Referent wird an diesem Abend Dr. Andreas Wilde von der Universität Bamberg sein. Alle Interessierten sind herzlich zur Teilnahme eingeladen.