Geschichte, Politik und Wirtschaft Ostfrieslands
"Nichts ist beständiger als der Wandel" – so umschreibt man gerne die Veränderungen, die wir gerade in unserer Gesellschaft erleben. Dieser Wandel erfasst auch die Arbeitswelt – und sorgt vielfach für Unsicherheit. Manche Regionen in Deutschland sind davon stärker betroffen als andere. Dies galt – und gilt – besonders für Ostfriesland.
Eine Exkursion zu Punkten, an denen der dortige Strukturwandel anschaulich gemacht werden kann, soll zeigen, wie eine Gesellschaft solche Prozesse bewältigen kann – ohne ihre eigene Identität dabei zu verlieren. Aurich, Leer, Norden, Wiesmoor und die Krummhörn sind dabei wichtige Stationen, an denen wir die Transformationsprozesse nachvollziehen werden. Sei es im Touristen-Hotspot Greetsiel, wo wir mehr über die Probleme der Küstenfischerei erfahren. Oder in Tidofeld, wo dokumentierte Zeitzeugenberichte schildern, wie nach dem Zweiten Weltkrieg Vertriebene und Flüchtlinge integriert wurden. Oder im Torf- und Siedlungsmuseum, das dem kargen Leben der "Moorkolonisten" gewidmet ist.
Es ist eine spannende Reise in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer Region, die schon immer Machen vor Jammern gestellt hat. Lernen wir also Ostfriesland einmal unter ganz anderen Gesichtspunkten kennen.
Geleitet wird die Exkursion von Helga Lerch und Dr. Michael Lerch.
Die studierte Anglistin/Amerikanistin und Politikwissenschaftlerin Helga Lerch hat viele Jahre lang am Gymnasium Oppenheim Englisch und Sozialkunde unterrichtet. Als Regionale Fachberaterin Sozialkunde engagierte sie sich für einen lebendigen Politikunterricht. Ihre organisatorischen Fähigkeiten durfte sie von 2008-2016 als Schulleiterin beim Aufbau des neu gegründeten G8-Ganztagsgymnasiums in Nackenheim beweisen. Die praktische Sicht auf den Politikbetrieb erhielt sie von 2016-2021 als Abgeordnete des rheinland-pfälzischen Landtags und nach wie vor als Mitglied des Kreistags Mainz-Bingen.
Der Kernchemiker Dr. Michael Lerch baute 1985 in Mainz ein chemisch-analytisches Dienstleistungsunternehmen auf. 1990 gründete er mit lokalen Partnern in Cottbus ein Labor, das sich überwiegend mit den Problemen des Braunkohletagebaus beschäftigte. Ab 2005 wirkte er an der Hochschule Darmstadt als Lehrbeauftragter zu Abfallwirtschaft, Energieträgern, Sicherheits- und Umwelttechnik. Parallel ist er bis heute als freiberuflicher Gutachter tätig. Ungebrochen ist sein schon seit der Schulzeit bestehendes Interesse an Geschichte und Politik. Als Naturwissenschaftler pflegt er dabei eine hinterfragende und analytische Herangehensweise an die Themen. Dies spiegelt sich auch in seinen Vorträgen und Publikationen.
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20.09.26 |
Ingelheim - Twist - Aurich (A) Morgens Abfahrt ab Ingelheim per Reisebus nach Aurich. Unterwegs referiert die Reiseleitung über die historisch-politischen Hintergründe des 1950 beschlossenen "Emslandplans" zur wirtschaftlichen Entwicklung des damals rückständigen Emslandes und der A31, die als Bundesautobahn über ein neuartiges Finanzierungsmodell entwickelt wurde. In Twist besuchen wir das Erdöl- und Erdgas-Museum, wo wir im Rahmen einer Führung nähere Informationen zur Erdgas- und Erdölförderung in der Region erhalten. Weiterfahrt nach Aurich, unterwegs Informationen über den Transrapid und die Meyerwerft Papenburg. Bezug der Zimmer und Abendessen im Europahaus Aurich, einer Partnereinrichtung der FNA. Abends stellt und die Direktorin des Europahauses die Arbeit dieser "Deutsch-Niederländischen Heimvolkshochschule" vor. |
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21.09.26 |
Aurich - Wiesmoor - Aurich (F, Imbiss, A) Nach dem Frühstück führt uns die Reiseleitung in einem Vortrag in die Entstehung und Nutzung der Moore in Ostfriesland ein. Danach brechen wir vom Europahaus nach Wiesmoor auf, wo wir mit der Lorenbahn zum Torf- und Siedlungsmuseum aufbrechen. Nach einer fachkundigen Führung durch das Freilichtmuseum, bei der wir auch mehr über die Bedeutung des Torfabbaus erfahren, und einer kleinen Pause mit Tee und "Krintstuut" (Schmalzbrot) erhalten wir eine "Schulstunde wie Anno Dazumal". Danach Möglichkeit zum individuellen Rundgang durch das Museum. Anschließend Rückfahrt mit der Lorenbahn nach Wiesmoor und dem Bus nach Aurich. Abendessen im Europahaus. |
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22.09.26 |
Aurich (F, A) Wir beginnen den Tag im Europahaus mit einem Vortrag unserer Reiseleitung über "Freie Friesen: Häuptlinge, Grafen, fremde Herren, Moderne". Anschließend laufen wir zum Historischen Museum Aurich, wo wir fachkundig durch die Ausstellungen zur Geschichte Ostfrieslands geführt werden. Nach einer individuellen Mittagspause besuchen wir die Organisation "Ostfriesische Landschaft", über deren Entwicklung von der Vertretung der Landstände zur Hüterin ostfriesischer Kultur uns ihr Präsident Rico Mecklenburg (angefragt) bei einer Teezeremonie mit Krintstuut berichtet. |
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23.09.26 |
Aurich - Leer - Aurich (F, A) Nach dem Frühstück bringt uns unser Bus nach Leer, wo wir den Tag mit einem geführten Rundgang durch die Fußgängerzone beginnen, bei dem uns unsere Reiseleitung zunächst insbesondere mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Geschäftswelt vertraut macht: Inhabergeführte Läden versus "Shops" - wo bleibt das "typisch Ostfriesische"? Im zweiten Teil unseres Rundgangs durch die Altstadt von Leer erzählt uns unsere Reiseleitung, wie die Bürger:innen von Leer eine Kahlschlagsanierung erfolgreich verhinderten. Und schließlich bringt uns die Führung auch zu den Drehorten der "Friesland-Krimis" des ZDF, über deren Vermarktung wir mehr lernen. Nach einer individuellen Mittagspause besuchen wir die Ausstellung des Teemuseums der berühmten Firma Bünting, wo wir während einer Teezeremonie auch Informationen über den Wandel des Unternehmens vom kleinen Kolonialwarenhändler zur heutigen Bünting-Gruppe erhalten. Rückfahrt nach Aurich und Abendessen im Europahaus. |
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24.09.26 |
Aurich - Pewsum - Campen - Aurich (F, A) Wir starten nach dem Frühstück mit dem Bus nach Pewsum. Unterwegs berichtet unsere Reiseleitung über die Bedeutung des Plattdeutschen für die ostfriesische Identität. In Pewsum begeben wir uns dann auf eine "Exkursion" in den örtlichen EDEKA-Markt, wo wir nach Belegen für Regionalität und insbesondere für die Verwendung von Plattdeutsch suchen. Gemeinsam werten wir unsere "Entdeckungen" aus. Anschließend besuchen wir die Manningaburg, einst Sitz wichtiger ostfriesischer Häuptlinge. Wir erfahren dabei nicht nur viel über die Geschichte der Burg, sondern auch über die hier geborene Dr. Hermine Heusler-Edenhuizen, die erste offiziell anerkannte und niedergelassene Frauenärztin in Deutschland. Am frühen Nachmittag bringt uns unser Bus dann zum Ostfriesischen Landwirtschaftsmuseum Campen, wo wir nach der Besichtigung in der Guten Stube bei Kaffee, Tee und einer Stärkung einen Vortrag über "Bauern und Landarbeiter" hören. Anschließend Rückfahrt nach Aurich und Abendessen im Europahaus. |
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25.09.26 |
Aurich - Greetsiel - Aurich (F, A) Heute begeben wir uns auf einen Ausflug in den ostfriesischen Vorzeigeort Greetsiel. Auf der Hinfahrt geht unsere Reiseleitung der Frage nach, ob Greetsiel womöglich ein "ostfriesisches Disneyland" ist. Nach der Ankuft begeben wir uns auf einen Rundgang, der uns u.a. zu den Zwillingsmühlen, zum neuen und alten Sieltor, zur örtlichen Kirche und zum von Halem'schen Haus führt. Mittags besuchen wir die Ländliche Akademie Krummhörn, wo wir einen multimedialen Vortrag über Deichbau hören werden. Danach spazieren wir in den Kutterhafen, wo wir an einem Fischkutter mit einer Mitarbeiterin des Naturschutzbundes verabredet sind, die uns etwas über die Probleme der Küstenfischerei erzählen wird. Zum Abschluss des Tages besuchen wir noch die Wattenmeer-Ausstellung im Naturfreundehaus Greetsiel, bevor uns unser Bus wieder zurück nach Aurich und zum Abendessen im Europahaus bringt. |
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26.09.26 |
Aurich - Norden - Pilsum - Aurich (F, A) Unser Ausflug führt uns heute zunächst in die Stadt Norden. Auf der Fahrt führt uns unsere Reiseleitung in das Thema Flucht und Vertreibung 1945 ein - ein Thema, das wir in der Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld in Norden vertiefen werden. Denn Tidofeld war von 1946-1960 eines der größten Lager für Heimatvertriebene in Niedersachsen. Bei einer Führung durch die Gedenkstätte sehen wir auch Videodokumentationen mit Zeitzeugenberichten. Mittags fahren wir weiter nach Pilsum, wo wir einen kurzen Stopp am berühmten Leuchtturm machen. Anschließend führt unsere Reiseleitung uns auf einen Rundgang durch Pilsum, bei dem wir mehr über Warfendörfer und über die Auswirkungen der Reformation in Ostfriesland erfahren. Nach einer Führung durch die Kreuzkirche besuchen wir die Wirtschaft "Alte Brauerei", wo wir bei einem Abschlussbüffet unser Reiseprogramm gemeinsam reflektieren. |
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27.09.26 |
Aurich - Ingelheim (F) Nach dem Frühstück und einem Abschlussgespräch wird es Zeit für die Heimreise. |
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Reisepreis pro Person in Euro |
Doppelzimmer: 1.500,-€ Einzelzimmer-Zuschlag: 105,-€ |
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Reisebedingungen |
Mindestteilnehmendenzahl: 15 Diese Reise ist für Teilnehmende mit eingeschränkter Mobilität nicht geeignet! |
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Unterrichtung des Reisenden bei einer Pauschalreise nach §651a BGB Bei der Ihnen angebotenen Kombination von Reiseleistungen handelt es sich um eine Pauschalreise im Sinne der Richtlinie (EU) 2015/2302. |
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