SOLORECITAL BLOCKFLÖTE mit Karel van Steenhoven (Amsterdam Loeki Stardust Quartet)

23.09.17

“Chanson de la Flûte"
Eine Reise durch die Geschichte der Blockflöte in Frankreich vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. In “Chanson de la Flûte” präsentiert Karel van Steenhoven die Blockflöte von Großbass bis Sopranino, von der schlichte Renaissanceflöte bis zu der modernen Blockflöte mit Klappen in kleinen musikalischen Juwelen im französischen Stil.
Die vielen Namen die die Blockflöte in Frankreich hatte, zeigen schon wie sehr diese Flöte immer verbunden gewesen ist mit der Kultur: Flûte à neuf troux, Flûte à bec, Galoubet, Txistu, Csakan, Pipeau, Flageolet, Flûte douce.
Der französische Stil kennzeichnet sich durch die scheinbar unmögliche Balance zwischen einfachen Formen und komplexen Gedanken. So wie ein schönes Parfüm oder einen guten französischen Wein sich auszeichnen durch eine Kombination von Einfachheit und Tiefe,
Vergänglichkeit und Erinnerung, Gewöhnlichkeit und Besonderheit.
In diesem Programm hört man einfache Lieder, kleine Fantasien und fröhliche Tänze, aber gleichzeitig kann man sich mitnehmen lassen von einem tieferen Hauch von Melancholie und gefühlvollen Ornamenten.
In den Händen von großen Komponisten wie Josquin Desprez oder Jacques Hotteterre und den virtuosen Instrumentalisten, wie Marin Marais und Narcisse Bousquet, entstand in den einfachen Formen und Melodien eine bunte und reiche Tonsprache, die die gesamte Europäische Kultur für mehrere Jahrhunderte bestimmt hat. Vor allem die “Chanson und Air”- Melodien wurden immer mehr Hauptcharakteristik der französischen Musik. Das französische Chanson bekam in Italien im 16ten Jahrhundert sogar einen instrumentalen Form unter dem Namen "Canzon Francese" und in England und den
Niederlanden war sie beliebt als französisches “Air”. In der Fantasy "A la Francese" von Telemann ist zu hören, wie auch in Deutschland experimentiert wurde mit den französischen Stilelementen.
Die zwei Extremen in diesem Programm, dem mittelalterlichen "Lay" von Machaut und das impressionistische "Pièce " von Ibert, zeigen wie stark das Melodische als strukturtragendes Element in allen Jahrhunderten verwendet wurde und als Basis diente für die gesangliche instrumentale Sprache der großen französischen Blockflötisten wie Jacques Paisible, Eugène Roy
und Freillon-Poncein.
Es sind ihre virtuose Verzierungen und kunstvolle Linien die man in “Chanson de la Flûte” neu erleben kann.

Chanson de la Flûte
19:30 Uhr
Zum Konzert-Programm (PDF)

Vortrag vor dem Konzert: Prof. Karel van Steenhoven spricht über Ornamentik im 17./18. Jahrhundert, 15:30-16:30 Uhr

Karel van Steenhoven

Der Blockflötist und Komponist Karel van Steenhoven (geb.1958 in Voorburg, Niederlande) studierte am Sweelinck Konservatorium in Amsterdam bei Kees Boeke. Nach seinem Solistenexamen im Fach Blockflöte 1983, ging er noch bei Tristan Keuris und Robert Heppener in die Kompositionslehre.
Seine Kompositionen und Lehrwerke werden herausgegeben vom Schott Verlag. Einige seiner Werke („Stil Gevaar” und „La Chanteuse et le Bois sauvage”) sind vom Amsterdam Loeki Stardust Quartet auf CD eingespielt; er selbst ist Gründungsmitglied dieses Ensembles, mit dem er weltweit Konzertreisen unternimmt. Zwei ihrer CDs wurden mit dem Edison-Preis ausgezeichnet.
Van Steenhoven nahm an Konzerten und Aufnahmen u. a. mit den Ensembles Musica Antiqua Köln, The Academy of Ancient Music (unter Leitung von Christopher Hogwood), Kölner Kammerorchester (unter Leitung von Helmut Müller-Brühl) und mit Solisten des Gewandhausorchesters Leipzig teil. Als Gastdozent unterrichtete er u. a. im Sommerkurs von Urbino und an den Musikhochschulen von Berlin, Odense, Nürnberg und Zürich.
Der Musiker wirkte als Juror beim Internationalen Moeck Blockflötenwettbewerb in London 1997 und – zusammen mit dem Komponisten Peter-Jan Wagemans – beim ARS Composition Contest 2006 (VS). 
Seit 1995 ist er Professor für Blockflöte an der Hochschule für Musik Karlsruhe und seit 2013 Visiting International Professor an der Guildhall School of Music in London.

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